Wie wir alle etwas von der Digitalisierung haben können

Digitalisierung

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Oft wird der technologische Wandel dabei beschrieben, als handle es sich um eine quasi natürliche Entwicklung außerhalb gesellschaftlicher Vorgänge. Doch ein genauer Blick zeigt ganz klar: Die Auswirkungen von Technik folgen keinem Naturgesetz. Sie sind eine politische Frage. Ob wir die Digitalisierung für die Profite der Reichen und Konzerne einsetzen oder für ein gutes Leben für uns alle, hängt davon ab, wie wir sie politisch gestalten.

Am bekannten Beispiel „Big Data“: Welche Regeln soll es geben für die ökonomische Verwertung bzw. staatliche Verwendung von personenbezogenen Daten? Eine andere zentrale Frage betrifft etwa den wirtschaftlichen Strukturwandel: Wie definiert und gestaltet man (Erwerbs-)Arbeit im digitalen Zeitalter? Soll unsere Gesellschaft auf dem Solidarprinzip oder dem Wettbewerb der Individuen aufbauen? Kurzum: Welche Möglichkeiten Technik letztlich entfaltet, hängt von bestehenden Machtverhältnissen ab.

Wie wollen wir leben?

All diese Fragen zeigen letztlich: Es geht weniger um die technischen Aspekte der Digitalisierung. Vielmehr stellen der technologische Wandel und seine weitreichenden Auswirkungen unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf den Prüfstand: Wie wollen wir leben? Was ist das, ein gutes Leben?

Der digitale Kapitalismus beruht auf einer hohen Wertschöpfung bei gleichzeitig geringen Beschäftigungseffekten. Vormals bezahlte Arbeit wird z.B. an die KonsumentInnen ausgelagert – etwa über Selbstbedienungskassen oder den Ausbau des Netbanking –, wodurch Arbeitsplätze entfallen. Neue Unternehmensformen erwirtschaften ihre Profite zum Teil in rechtlich unregulierten Räumen und global agierende Konzerne umgehen steuerrechtliche Standards. Hinzu kommen starke Monopolisierungstendenzen der großen Technologiekonzerne. Diese Entwicklungen begünstigen die Konzentration des Vermögens auf einige Wenige und verschärfen die soziale Polarisierung. Es entstehen starke Machtgefälle innerhalb der Gesellschaft.

Blog

Uns’re Zukunft, uns’re Regeln

Der technische Fortschritt verändert die Produktionsprozesse und die Arbeitsorganisation. Das kann zu unterschiedlichen Auswirkungen für die Lohnabhängigen führen – je nach dem, welche gesellschaftlichen Interessen sich bei dessen politischen Gestaltung durchsetzen können.

So könnte ein zielgerichteter Einsatz neuer Technologien zu einer sinkenden Arbeitsbelastung führen. Die Robotik kann Menschen bei schwerer körperlicher Arbeit unterstützen oder solche Arbeitsschritte gar vollständig automatisieren. Diese Verlagerung von Arbeitsprozessen an Maschinen kann zudem, clever organisiert, für eine deutliche Arbeitszeitverkürzung genutzt werden.

Gleichzeitig wird die geleistete Arbeit durch neue Technologien aber zunehmend transparent – und damit besser mess- und vergleichbar. Das könnte die Arbeitsbelastung der einzelnen ArbeitnehmerInnen wiederum erheblich steigern. Es liegt an uns, die Aushöhlung bestehender demokratischer und sozialer Standards zu bekämpfen und stattdessen die positiven Potentiale der Digitalisierung zu entfalten.

Sicher solidarisch

Aktuelle Analysen gehen davon aus, dass Erwerbslaufbahnen durch die veränderten Arbeitsbedingungen zunehmend brüchig werden. Das bedeutet: Phasen der Erwerbsarbeit könnten sich in Zukunft verstärkt mit Bildungszeiten oder Zeiten ohne Erwerbstätigkeit abwechseln. Diese Veränderungen führen zu steigenden Sozialausgaben bei einem schwankenden, tendenziell sinkenden Beitragsaufkommen. Die Sozialsysteme müssen daher neu organisiert werden, um das Individuum in existenziellen Krisen abzusichern und den sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten.

Zwei wesentliche Bausteine einer solidarischen Antwort auf die neuen Herausforderungen könnten eine Wertschöpfungsabgabe und nicht zuletzt ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) darstellen. Auch eine 30-Stunden-Woche ist in Zeiten der Digitalisierung längst möglich und würde eine gerechtere Verteilung der Arbeit bedeuten.

Ob analog oder digital – im Zentrum steht einmal mehr die Frage: Wer bemächtigt sich der neuen Technologien – und zu welchen Zwecken werden diese eingesetzt? Wenn sich die Profitinteressen der Reichen und Konzerne durchsetzen, werden Arbeitsdruck und Arbeitslosigkeit steigen, die Jobs immer schlechter und unsicherer werden. Wenn wir die Potentiale der Digitalisierung jedoch richtig nutzen, können wir mehr vom Leben haben und Arbeit endlich gerecht bezahlen und verteilen.

Hinterlasse einen ersten Kommentar

Du hast einen Aktivierungslink per Email gesendet bekommen.