Katerina Anastasiou

KPÖ PLUS Spitzenkandidatin Katerina Anastasiou

Porträt: Eine Griechin aus Wien

Geboren und aufgewachsen ist sie in Athen, seit fünf­zehn Jahren lebt sie in Österreich: Katerina Anastasiou, soziale und antirassistische Aktivistin, parteilose Spit­zenkandidatin zur EU-Wahl im Mai von KPÖ PLUS – European Left – Offene Liste. Ein Porträt.

Politisiert hat sich Katerina im Athener Gymnasium. Die damalige Regierung hatte die geniale Idee, den Platzmangel an den Universitäten durch verschärfte Auf­nahmsprüfungen zu lindern. Die Schüler Innen, schwer engagiert in Bildungsfragen, wehrten sich mit Schulbesetzungen. Katerina war mitten drin und dabei, sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe. An der Athener Universität organisierte sie sich für kurze Zeit in der kommunistischen Jugendorganisation, war da aber schon am Sprung nach Österreich. Hier belegte sie an der Wiener Uni Biologie. Jobte, verdiente ihr Geld als Kellnerin und Bademeisterin, Rezeptionistin, gab Englisch-Nachhilfe unterricht, arbeitete am Naturhistorischen Museum.

Politisch organisierte sie sich zunächst in der Sozialistischen Jugend Ottakring; verabschiedete sich aber nach kurzer Zeit von dort, als ihr der Umgang der SPÖ mit der Linken »am Oasch« ging; warf zunächst ein interessiertes Auge auf auto­nome Strömungen, engagierte sich dann aber mit ganzer Kraft in sozialen Bewe­gungen. 2012 näherte sie sich Syriza an, ohne Mitglied zu werden, und arbeitete in Solidaritätsinitiativen mit. 2013 begrün­dete sie mit anderen AktivistInnen eine eigene transnationale Gruppe mit dem Namen »Precarity office«. Den Anstoß dazu gaben ihr die »Herrschenden der EU, die zu dieser Zeit dem Süden Europas technokratische Regierungen aufzwangen und das Leben der Bevölkerung rapide verschlechterten«. 

Gegen diskriminierende Mythen 

Sie knüpfte europaweite Kontakte und wirkte gemeinsam mit SpanierInnen, Ita­lienerInnen und anderen »gegen die dis­kriminierenden Mythen, die über den Süden Europas verbreitet wurden«. Bemühte sich um Gegenöffentlichkeit, wollte »durch die korrekte Darstellung der Situation in den Ländern des europäi­schen Südens in die österreichische Gesellschaft hineinwirken«. Organisierte Proteste, Informationsveranstaltungen, fühlte sich dabei »von Grünen und SPÖ immer alleine gelassen«. 

Als dann die Erpressungspolitik gegen die Syriza-Regierung voll durchschlug, erlebte sie bei ihren Aufenthalten in Grie­chenland hautnah mit, was es heißt, »wenn eine ganze Gesellschaft und ihr Wille zur Veränderung durch das Diktat der neolibe­ralen Eliten auf die Knie gezwungen wird«; sie organisierte konkrete Hilfe für soziale Initiativen und Bewegungen in Griechen­land, und zwar »voller Zorn«, wie sie sagt, »über die Brutalität, mit der Griechenland niedergedrückt wurde, um die Banken zu retten«. Ob sich der Zorn nicht mit Enttäu­schung paarte? »Natürlich«, meint Kate­rina Anastasiou, »denn viele, wie ich, leb­ten bis Juli 2015 mit der Hoffnung, dass wir anhand des griechischen Beispiels ganz Europa verändern könnten. Dass die Kräf­teverhältnisse in Europa nicht zu unseren Gunsten waren, wussten wir. Aber wir dachten, dass die Demokratie eine Schutz­wand sein würde gegen die Austeritätspoli­tik. Als wir dann in dieser politischen Schockstarre waren, begann die Schlie­ßung der Grenze und die forcierte Militari­sierung der EU«. 

Für alle EuropäerInnen im Land 

Katerina arbeitet seit 2015 im Wiener Büro von transform!europe, und heute ist sie die Spitzenkandidatin der EU-Wahlliste KPÖ PLUS – European Left – Offene Liste. Ihre Erfahrung und ihre Beziehung zum Süden Europas nimmt sie mit in den Wahlkampf. »Ich kandidiere für alle in Österreich Lebenden EuropäerInnen«, betont sie, das heißt auch »für jene 700.000 EU-BürgerIn­nen, die oft gar nicht wissen, dass sie wahl­berechtigt sind«. Darum will sie auch diese Menschen ansprechen und sie zur Beteili­gung an der Wahl motivieren. »Die schwarz/blaue Regierung hat auch die ArbeiterInnen, die aus verschiedenen Staa­ten der EU kommen und hier leben, zur Zielscheibe ihrer Spaltungspolitik gemacht. Sie ist sogar bereit, bestehende EU-weite Regelungen zu brechen, z. B. mit dem Gesetz der sogenannten Familienindexie­rung. Menschen, die aus ärmeren EU-Staa­ten kommen, hier arbeiten und dieselben Steuern und Abgaben zahlen, sollen weni­ger Familienbeihilfe für ihre im Herkunfts­staat verbliebenen Kinder bekommen, jene aus reicheren EU-Staaten dagegen mehr – obwohl, ich sage es noch einmal, die einen und die anderen EU-BürgerInnen dieselben Beiträge in den österreichischen Steu­ertopf einbringen. Auch darum will ich mitsamt den Freunden und Freundin­nen, die mit mir kandidieren, eine Stimme sein für die Interessen aller in Österreich lebenden Menschen«. 

Es sind die Kräfteverhältnisse 

Den Rechtsextremen werden beim kommenden EU-Wahlgang Gewinne prognostiziert, den Konservativen und den SozialdemokratInnen dagegen Verluste. Anastasiou schreibt das vor allem auf das Konto der neoliberalen Kürzungspolitik, »die viele Menschen wütend macht, in die Armut und die soziale Isolation treibt. Rassismus war zwar immer da, mit Hilfe nicht nur der Rechten wird er jetzt normalisiert. So wie bisher kann es nicht weiter gehen. Schwarz-Blau auf europäischer Ebene muss verhindert werden«. 

Und die Linksparteien, die bunte Fraktion der Linken im EU-Parlament, in der auch das Parteienbündnis Euro­pean Left vertreten ist? »Die GUE/NGL wird ihre Mandate wohl halten und ein wenig dazugewinnen, aber insgesamt ist auf der Linken noch Einiges aufzu­lösen. Ich tausche mich sowohl inner­halb und mit der Europäischen Linken aus als auch mit Zusammenschlüssen wie Diem25. Ich bin entschieden für Zusammenarbeit der Linken auf euro­päischer Ebene; die Politik der Linken muss ebenso internationalistisch und europäisch-integrativ sein, wie es die internationale Verflechtung von Wirt­schaft, Politik und Umweltproblemen ist. Wir dürfen Europa weder den Neo­liberalen noch den Rechtskonservati­ven und Rechtsextremen überlassen«. Auch unter Linken gibt es Stimmen, sich auf den nationalen Rahmen zurückzuziehen; die EU sei nicht refor­mierbar, wer holt uns da raus usw. Kate­rina Anastasiou dazu: »Dass es in der EU so aussieht wie es aussieht, liegt an den Kräfteverhältnissen der nationalen AkteurInnen auf europapolitischer Ebene. Und genau dieses Kräfteverhält­nis wollen wir, die Linke Europas, ändern. Darum trete ich an«. Und Punkt.

Der Beitrag ist erstmals in der Volksstimme 03/2019 erschienen.