„Künstler*innen fair bezahlen!“: Ulli Fuchs im Interview

Ulli Fuchs im InterviewUlli Fuchs tritt am 15. Oktober als Listendritte für KPÖ PLUS an. Im Interview spricht Fuchs über die kulturpolitischen Forderungen von KPÖ PLUS, ihren persönlichen Zugang zu Kunst und Kultur und über die Wichtigkeit, für ein gesichertes Grundeinkommen für Künstler*innen zu kämpfen.

Frau Fuchs, Sie sind seit vielen Jahren in der österreichischen Kunst- und Kulturlandschaft aktiv. Können Sie uns einen Überblick über Ihr Tätigkeitsfeld und Ihren künstlerischen und beruflichen Hintergrund geben?

Ulli Fuchs: Ich würde mich selbst als klassische Kulturarbeiterin bezeichnen. Bestens ausgebildet und höchst prekär. Studiert habe ich Volkskunde bzw. Europäische Ethnologie in Wien und Ostberlin. Bereits 1985 hab ich angefangen, Oral-History-Projekte zur Arbeiter*innen- und Alltagskultur in Wien zu gestalten, hab in der Erwachsenenbildung z.B. Kurse zur Popularmusik gehalten, mich dazu journalistisch betätigt und lege auch immer wieder gerne Platten auf. Ich bin eine alte Aktivistin in der Selbstorganisation, der autonomen Kulturarbeit. Ich bin Gründungsmitglied der IG Kultur Wien, war im Vorstand vom WUK, hab das Kulturzentrum 7*STERN aufgebaut, war bei „KINOKI – Verein für audiovisuelle Selbstbestimmung“ lange Kassierin. Im erinnerungspolitischen Bereich hab ich antifaschistische Projekte entwickelt und dazu publiziert.

Seit 2012 organisiere ich die Kritischen Literaturtage (KRILIT), und den Kulturverein Labor Alltagskultur. Ich bin erwerbs-, aber alles andere als arbeitslos... Mein berufliches Hauptanliegen ist der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen.

„Künstler*innen, die in diesem Land leben und arbeiten, müssen das Recht haben zu wählen!“

Kunst und Kultur spielen eine zentrale und wichtige Rolle in der Gesellschaft. Welche kulturpolitische Forderung steht für Sie bzw. KPÖ PLUS an erster Stelle?

Fuchs: Wir stehen generell für eine freie Teilhabe an Bildung und Zugänglichkeit zu Kunst und Kultur. Sich aktiv betätigen zu können, mit anderen etwas zu entwickeln und dafür die Räume und Mittel vorzufinden. Das Kulturschaffen wird immer mehr kommerzialisiert, immer mehr der Marktlogik unterworfen, und die Künstler*innen kriegen immer weniger. Wir brauchen daher deutliche Maßnahmen, um der extrem voranschreitenden Prekarisierung in allen Lebensbereichen – auch im Kulturbereich – entgegenzutreten. Es gibt so viele Künstler und Künstlerinnen, Musiker und Musikerinnen, Kulturschaffende, die unter der Armutsgrenze leben müssen. Und noch mehr unter der Armutsgefährdungsgrenze. Die liegt übrigens derzeit bei 1.185 Euro Monatseinkommen. Daher ist für uns das Wichtigste, Schritte in Richtung eines bedingungsloses Grundeinkommens für alle zu fordern und zu unternehmen, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, also Grundlagen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Künstler*innen und Kulturschaffenden eine würdige Existenz ermöglichen und absichern.

Auch das Wahlrecht für alle, die in diesem Land leben und künstlerisch arbeiten, ist grundlegend wichtig. Wie kann ich partizipieren, wenn mir demokratische Grundrechte vorenthalten werden?

„Öffentliche Fördergelder sollen nur an Einrichtungen vergeben werden, die mit ihren Künstler*innen fair umgehen.“

Welche konkreten Ideen und Schritte ergeben sich aus dieser Forderung nach dem besseren Leben? Gibt es konkrete Kampagnen oder Aktionen, die diese Position sichtbar machen?

Fuchs: Konkret unterstützen wir die Fair-Pay-Kampagne des österreichischen Kulturrats „Pay the Artist Now!“. Die Kampagne fordert, dass anständige Künstler*innenhonorare gezahlt werden müssen. Und dass das als Bedingung für öffentliche Förderungen gelten muss. Also: Öffentliche Fördergelder sollen nur an Einrichtungen vergeben werden, die mit ihren Künstler*innen fair umgehen. Ich würde allzu gern erleben, dass der vielmissbrauchte Begriff der „Fairness“ auch einmal auf uns „Armutschkerln“ angewendet wird und nicht nur für die Superreichen gilt.

Niemand soll gratis arbeiten müssen! Es muss endlich Schluss sein mit diesem entsetzlichen Gratis-Praktikums-Unwesen! Eines der schlimmsten Beispiele dieser gänzlich unbezahlten Ausbeutung ist diese „U-Bahn-Stars“-Aktion von Stadträtin Ulli Sima. Da wird zuerst das Musizieren in der U-Bahn verboten, und dann darf man ein Casting bei der Frau Stadträtin machen, die dann entscheidet, wer – ohne Bezahlung – eine Ausnahme kriegt und in den U-Bahn-Stationen musizieren darf, aber gleichzeitig bettelnd, versteht sich.

Noch eine weitere konkrete Forderung: Alle wissen, dass eine jährliche Valorisierung der Subventionen für die freie Szene und eine Erhöhung sämtlicher Stipendien auf Mindestlohnniveau von 1.500 Euro notwendig sind. Das fordern wir selbstverständlich auch.

Welche gemeinsamen Strategien und Synergien können Ihrer Meinung nach hier für die Zukunft entstehen? Und muss sich KPÖ PLUS nicht noch stärker den regierenden Kulturpolitiker*innen und kulturpolitischen Machtspielchen in den Weg stellen?

Fuchs: Die KPÖ PLUS kann sich niemanden in den Weg stellen, sondern nur berechtigte Forderungen unterstützen und Missstände sowie Ungerechtigkeiten aufzeigen. Direkte Partizipation der Künstler*innen ist eine Notwendigkeit in den Budgeterstellungen und Begutachtungsphasen von Gesetzen. Kultur sollte möglichst frei zugänglich sein, Eintrittspreise sozial gestaffelt werden und ein günstiger Kulturjahrespass für alle ausgestellt werden.

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