AktuellesAllgemein

Katerina Anastasiou im Gespräch

»Ein Europa, das ökologisch, demokratisch, feministisch und sozial ist«

Mit der Liste »KPÖ PLUS – European Left« wird es im Mai die Möglichkeit geben, auch in Österreich eine linke Stimme abzugeben. Spitzenkandidatin ist die parteiunabhängige Katerina Anastasiou.

Wie stehen die Chancen, ins EU-Parlament einzuziehen?

Katerina Anastasiou: Besser als bei den Nationalratswahlen. Es gibt rund 700.000 Wahlberechtigte mehr, die bei diesen Wahlen ihre Stimme abgeben können, da sie EU-BürgerInnen sind. Auch diese Menschen möchte ich als als EU-Staatsbürgerin gezielt ansprechen.

Realistisch betrachtet, wie reformierbar ist die EU der Konzerne und Lobbys unter den gegenwärtigen Kräfteverhältnissen?

Anastasiou: Die EU hat tatsächlich strukturelle Probleme, die von den etablierten Parteien und deren RepräsentantInnen verschwiegen oder gar ausgenützt werden, um knallharte, neoliberale Politik auf Kosten der Bevölkerung durchzusetzen. Demokratische Entscheidungen werden brutal bekämpft, wie wir am Beispiel Griechenland gesehen haben. Eine europäische Integration von Links würde aber natürlich ganz anders aussehen als die jetzige. Ich wünsche mir ein Europa, dass ökologisch, demokratisch, feministisch und sozial ist.

Was bedeutet zeitgemäße, kommunistische Politik im Jahr 2019 für dich?

Anastasiou: Ich bin Griechin. Als solche habe ich keine Angst vor dem Begriff. KommunistInnen bei uns sind BefreiungsheldInnen. Die Militärdiktatur in Griechenland hat schließlich erst 1974 geendet. Der globale Kapitalismus als System muss heute laut und klar in Frage gestellt werden. 8 Personen besitzen soviel wie 50% der Weltbevölkerung. Der Besitzer der Modekette Zara hat zum Beispiel seinen Reichtum aufgebaut, indem er Frauen und Kinder für 0,20-0,30 Dollar die Stunde arbeiten lässt. Klar gehört der zum Wohle aller enteignet. Heute wird der Planet im Namen der Profite gegen die Wand gefahren. Das ist doch der Skandal.

In aller Kürze: Warum im Mai »KPÖ PLUS – European Left« wählen?

Anastasiou: Weil es die einzige linke Alter- native am Stimmzettel ist. Wir werden als Teil der Europäischen Linken im Europaparlament vertreten sein. Dort sind wir die einzige linke Kraft. Nachdem wir in Österreich vom Widerstand zu progressiven Alternativen kommen müssen, ist mein Wahlantritt ein Schritt in diese Richtung. So ein Schritt – sei er auch noch so klein – kann nie eine verlorene Stimme sein. Wie diese Alternative genau aussehen soll, darüber können wir gerne diskutieren und streiten. Auch dazu soll mein Wahlkampf dienen.

Katerina Anastasiou (35) arbeitet für die linke Denkfabrik transform! Europe, wo sie für internationale Belange und Migrationspolitik zuständig ist. Schon 2014 kandidierte sie auf der Liste »Europa anders« mit der KPÖ.

2 Gedanken zu „Katerina Anastasiou im Gespräch

  1. Seid Ihr für den EU Austritt von Österreich unter den gegenwärtigen, herschenden politischen Verhältnissen?
    Wenn nicht, dann kann ich euch nicht wählen.
    Ich habe auch ein Problem mit einem feministischen Europa, es gilt der Gleichheitsgrundsatz für Mann und Frau, feministisch ist rassistisch gegen die Männer!

    1. Danke für die Frage! Nein, wir sind unter den herrschenden politischen Verhältnissen nicht für einen Austritt aus der EU, da dies die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse nicht ändern würde.

      Feminismus ist überdies nicht diskriminierend gegenüber Männern, verletzt auch keinen Gleichheitsgrundsatz, sondern ist zentraler Bestandteil linker Politik zum Wohle aller.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.